Jemand ruft an und behauptet, Ihr Enkel oder ein nahes Familienmitglied zu sein. Er brauche dringend Geld – für einen Unfall, eine Operation oder Kaution. Er bittet Sie, niemandem davon zu erzählen.
Telefonbetrug und Cyberkriminalität:
Erkennen, richtig reagieren, schützen.
Enkeltrick, Schockanruf, KI-Stimmenfälschung, Phishing – diese Seite erklärt, wie die gängigsten Betrugsmaschen funktionieren, woran Sie sie erkennen und was Sie im Ernstfall konkret tun.
Diese Zeichen weisen auf Betrug hin
Wenn auch nur eines dieser Signale auftritt: auflegen. Sie müssen sich nicht erklären.
Sie dürfen jederzeit auflegen – ohne Erklärung, ohne schlechtes Gewissen. Betrüger bauen auf Ihr Höflichkeitsgefühl. Auflegen ist keine Unhöflichkeit. Es ist Selbstschutz.
Die häufigsten Betrugsmaschen
Jede dieser Maschen funktioniert nach demselben Prinzip: Druck, Vertrauen oder Angst sollen eine schnelle Entscheidung erzwingen. Die folgenden Beschreibungen zeigen, wie das konkret aussieht – und was Sie in dem Moment tun können.
Eine angebliche Polizistin oder ein Staatsanwalt ruft an: Ihr Kind habe einen tödlichen Unfall verursacht. Nur sofortige Kautionszahlung verhindert Gefängnis.
Uniformierte erscheinen an der Tür oder rufen an: Eine Einbrecherbande sei unterwegs, Ihre Ersparnisse seien in Gefahr. Sie sollen Schmuck und Bargeld „sicherstellen" lassen. Manchmal wird im Display „110" gefälscht.
Eine E-Mail sieht täuschend echt aus: Logo der Sparkasse, DHL oder PayPal. Sie sollen auf einen Link klicken und Ihre Kontodaten bestätigen – „wegen neuer Sicherheitsregeln".
Sie erhalten eine Nachricht von einer unbekannten Nummer: „Hallo Mama, ich habe ein neues Handy. Alte Nummer löschen." Es folgt eine dringende Bitte um Geld.
Ein lauter Alarm auf dem Computer: „Virus erkannt – rufen Sie sofort Microsoft an!" Oder jemand ruft an und behauptet, Ihr PC sei gehackt. Sie sollen ein Fernwartungsprogramm installieren.
Kriminelle nutzen kurze Sprachaufnahmen – etwa aus Social-Media-Videos – und erstellen per KI eine Kopie der Stimme, die dem Original sehr ähnlich klingen kann.
Bei Videoanrufen kann das Gesicht eines Betrügers mithilfe von KI-Software in Echtzeit durch das Gesicht einer anderen Person ersetzt werden. Diese Technik ist bereits dokumentiert und wird in Betrugsfällen eingesetzt.
Auf Dating-Plattformen entsteht über Wochen eine intensive Beziehung. Die Person – oft ein Arzt oder Ingenieur im Ausland – bittet dann um finanzielle Hilfe. Das persönliche Treffen findet nie statt.
Was tun bei Verdacht auf Betrug?
Ruhig bleiben. Betrüger bauen auf Panik. Sie haben immer Zeit, innezuhalten.
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Sofort auflegen oder Tür schließen Sie müssen sich nicht rechtfertigen. Ein einfaches Auflegen ist völlig in Ordnung – und schützt Sie.
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Vertraute Person anrufen Rufen Sie sofort ein Familienmitglied oder Freund an und schildern Sie die Situation. Allein entscheiden ist nicht nötig.
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Kein Geld übergeben oder überweisen Warten Sie ab, auch wenn der Druck groß ist. Geld, das einmal übergeben wurde, ist fast immer verloren.
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Polizei unter 110 anrufen oder Anzeige erstatten Erstatten Sie Anzeige – auch wenn kein Schaden entstanden ist. Das schützt andere und hilft der Strafverfolgung. Online: onlinewache.polizei.de
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Bank informieren (bei Überweisungen) Rufen Sie sofort 116 116 an (Sperrnotruf) oder die Nummer auf Ihrer Girocard. Jede Minute zählt.
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Familie und Nachbarn warnen Erzählen Sie davon – das kann weitere Betrugsversuche in Ihrer Umgebung verhindern.
Das Familienpasswort
KI kann die Stimme Ihrer Kinder oder Enkel täuschend echt imitieren – mit nur wenigen Sekunden Aufnahme aus einem Social-Media-Video. Ein geheimes Codewort macht solche Anrufe sofort entlarvbar: Wer es nicht nennen kann, ist kein Familienmitglied.
Ein ungewöhnliches Wort, das nichts mit Ihrer Familie zu tun hat – kein Name, kein Geburtstag. Zum Beispiel: „Goldammer" oder „Seestern".
Teilen Sie das Wort nur persönlich oder per Brief mit. Nie per SMS oder E-Mail – das kann abgefangen werden.
Wenn jemand anruft und Geld fordert: Nur fragen – „Wie lautet unser Codewort?" Kein Erklären, kein Diskutieren.
Ändern Sie das Codewort einmal im Jahr oder wenn Sie vermuten, dass es bekannt geworden ist.
Schutzunterlagen zum Herunterladen
Ausdruckbar, ohne Anmeldung. Für den eigenen Gebrauch und zur Weitergabe an Angehörige.
- 8 Warnsignale mit Erklärung
- Telefonscript: Was sage ich?
- Notfallkarte zum Ausschneiden
- Persönliche Schutz-Checkliste
- Codewort-Anleitung für alle
- So erkläre ich es meinen Eltern
- Notfallplan bei Betrug
- Grundlagen digitaler Sicherheit verständlich erklärt
- Checkliste Familiengespräch
Tipp: Drucken Sie die Notfallkarte (Seite 4 im Schutzpaket) aus und legen Sie sie neben das Telefon. Das Familienpaket eignet sich als Gesprächsgrundlage beim nächsten Familientreffen.
Es ist passiert – was jetzt?
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Kontakt zu einer Vertrauensperson aufnehmen Informieren Sie sofort ein Familienmitglied oder eine enge Vertrauensperson. Gemeinsam lassen sich die nächsten Schritte ruhiger abwägen.
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Bank sofort anrufen – Überweisung stoppen Rufen Sie die Nummer auf Ihrer Girocard an oder wählen Sie 116 116 (Sperrnotruf). Jede Minute zählt.
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Polizei: Anzeige erstatten unter 110 oder online Erstatten Sie Anzeige – auch wenn das Geld weg ist. Online möglich unter: onlinewache.polizei.de
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Kontoauszüge und Belege sichern Sammeln Sie alle Belege: Überweisungsquittungen, Screenshots, Nachrichten. Diese Unterlagen sind wichtig für die Anzeige und eventuell für Rückbuchungsverfahren.
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Kostenlose Opferhilfe: WEISSER RING anrufen Kostenlose, vertrauliche Beratung – emotional und praktisch, rund um die Uhr.
Vertraulich, kostenlos, rund um die Uhr. Beratung für Betrugsopfer – ohne Urteile, mit Verständnis. Sie sind nicht allein.
Wichtige Nummern im Überblick
Speichern Sie diese Nummern in Ihrem Telefon – oder drucken Sie die Liste aus und legen Sie sie neben das Telefon.
Persönliche Schutz-Checkliste
Drucken Sie diese Liste aus und legen Sie sie neben das Telefon. Sprechen Sie sie auch mit Angehörigen durch.
- Ich gebe niemals meine PIN, Kontodaten oder Passwörter am Telefon weiter.
- Ich übergebe kein Bargeld oder Schmuck an unbekannte Personen.
- Ich installiere keine unbekannten Programme auf meinem Computer.
- Ich klicke keine Links in unbekannten SMS oder E-Mails an.
- Ich nutze einen Anrufbeantworter – unbekannte Nummern rufe ich nicht zurück.
- Ich bespreche ungewöhnliche Anrufe sofort mit einem Familienmitglied.
- Polizei (110), Bank und Familie sind in meinem Telefon gespeichert.
- Ich stehe unter keinem Druck: Ich habe immer Zeit, in Ruhe nachzudenken.
- Ich habe ein Codewort mit meiner Familie vereinbart.
- Bei Verdacht: auflegen und sofort Polizei 110 anrufen.
Erklärvideos von Polizei, BSI & Verbraucherzentrale
Offizielle Videos von staatlichen Stellen und Verbraucherschutzorganisationen.
Enkeltrick & Schockanruf
Polizei NRW
Enkeltrick & Schockanruf erkennen
Polizei NRW erklärt die Maschen und zeigt, wie man sich schützt.
Quelle: Polizei NRW – YouTubePhishing & Online-Betrug
Verbraucherzentrale
Phishing-E-Mails erkennen
Verbraucherzentrale zeigt, wie gefälschte E-Mails aussehen und was zu tun ist.
Quelle: Verbraucherzentrale – YouTubeSicher im Internet
BSI – Bund
Sicher online: Tipps für Senioren
Das BSI erklärt, wie man sicher surft, E-Mails prüft und Passwörter schützt.
Quelle: BSI – YouTubeOffizielle Stellen & Informationsquellen
Verlässliche Informationen direkt von Polizei, Verbraucherschutz und staatlichen Behörden.
Offizielle Tipps und aktuelle Betrugsmaschen von der Polizei Deutschland.
polizei-beratung.de ↗Tipps des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik.
bsi.bund.de/buerger ↗Beratung bei Betrug und unseriösen Angeboten – auch vor Ort in Ihrer Nähe.
verbraucherzentrale.de ↗Aktuelle Warnungen vor Phishing-Seiten, Fake-Shops und betrügerischen E-Mails.
watchlist-internet.at ↗